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Impfungen, Prim.Dr.Jürgenssen
Jürgenssen Primar Dr. Olaf Arne Jürgenssen *)
Vorstand der Kinderabteilung im Krankenhaus Wiener Neustadt


F: Mein Enkel ist erst fünf Monate alt und hat schon zweimal eine im Impfplan vorgesehene Sechsfach-Impfung erhalten. Belasten diese vielen Impfungen nicht sein Immunsystem?


A: Ich kann Ihre Frage klar mit „nein" beantworten. Das Immunsystem eines Babys ist nach der Geburt bereits voll funktionsfähig und wartet sozusagen darauf, dass etwas passiert. Man könnte auch sagen, das Immunsystem wartet darauf, Erfahrungen zu sammeln und belastet zu werden.

Jedem Kind werden zwar von der Mutter gewisse Antikörper mitgegeben, das nennt man „Nestschutz". Dieser besteht aber nicht für alle Erreger, insbesondere nicht für Keuchhusten. Daher sollte diese Impfung bald, das heißt am Beginn des dritten Lebensmonats erfolgen. Anders verhält es sich zum Beispiel bei Masern. Diese Erreger dürfen wegen zunächst meist vorhandener mütterlicher Antikörper erst ab dem 14. Lebensmonat geimpft werden, da sonst die mütterlichen Antikörper die Entwicklung einer eigenen Masernimmunität des Kindes beinträchtigen würden.

Aus den verschiedenen Gegebenheiten resultiert schließlich der für Kinder empfohlene Impfplan, welcher jährlich von Spezialisten überprüft wird.

Von Seiten des kindlichen Immunsystems könnte man alle Impfungen zum selben Zeitpunkt geben, der kindliche Organismus wird in der Regel problemlos mit vielen sogenannten "Antigenen" fertig. Der Kontakt mit Erde oder Schmutz, aber auch der erste Tag im Kindergarten machen ein Vielfaches der immunologischen Belastung einer Impfung aus!

Ich kann Sie daher beruhigen, das Immunsystems Ihres Enkels wird durch die Impfungen nicht belastet. Im Gegenteil: Das kindliche Immunsystem kann seine Erfahrungen nur durch Erkrankung oder Impfung sammeln. Die "kontrollierte" Erfahrung durch Impfung ist die bessere!


Dieser Artikel wurde bereits als Pressetext in der Kategorie "Die Ganze Woche - Österreichs Kinder- und JugendärztInnen beantworten Leserfragen", Artikel aus dem Jahr 2004, publiziert, zu sehen unter Impfungen.


*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
Erstellt am 8.3.2005 | Zuletzt bearbeitet am 31.10.2009