OA Dr. Sophie Reisner *)
FA für Kinder- und Jugendheilkunde, Psychotherapeutin (Systemische Familientherapie), Neunkirchen
F: Die sechsjährige Tochter meiner Freundin ist Legasthenikerin. Was versteht man darunter?
A: Unter „Legasthenie" versteht man eine Lese- und Rechtschreibschwäche. Kinder, die daran leiden, zeigen Defizite in Sinneswahrnehmungen, die sie benötigen, um ohne Probleme lesen und schreiben zu lernen.
Bei vielen betroffenen Kindern lassen sich diese Beeinträchtigungen, die später das Erlernen des Lesens und Schreibens erschweren, bereits im Vorschulalter erkennen. Diese Kinder zeigen zum Beispiel Auffälligkeiten in ihrer Wortwahl und beim Konstruieren von Sätzen oder kombinieren Buchstaben falsch miteinander.
Eltern sollten daher auch die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen im 58.-62. Lebensmonat in Anspruch nehmen. Wenn, abgesehen von Wachstum und körperlicher Entwicklung, werden neben den motorischen auch die kognitiven Fähigkeiten der Kinder und die Sprachentwicklung kontrolliert. Bereits in diesem Alter können so durch entsprechende Tests Auffälligkeiten festgestellt werden.
Sollte der Verdacht seitens des Kinderarztes auf Legasthenie bestehen, so empfehle ich so früh wie möglich den Besuch eines darauf spezialisierten Kinderpsychologen, der entsprechende, weiterführende Tests durchführt und so dem Kind eine optimale Frühförderung ermöglicht.
Gerade die Lese- und Rechtschreibschwäche beeinflusst das alltägliche Leben der betroffenen Kinder mitunter stark, was zu weitreichenden Folgen auch im Sozialkontakt des Kindes führen kann, daher ist eine gezielte Frühförderung dringend anzuraten.
Dieser Artikel wurde bereits als Pressetext in der Kategorie "Die Ganze Woche - Österreichs Kinder- und JugendärztInnen beantworten Leserfragen", Artikel aus dem Jahr 2004, publiziert, zu sehen unter
Legasthenie.
*) Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde