SPrachEntwicklungsScreening
HOME >> Vorsorgemedizin >> Sprach- und Entwicklungs-Screening (SPES) >> 2 Jahre DEUTSCH >> Auffällig bei SPES 2 - Was tun?
Menü ausblenden
Login   Sitemap   Kontakt   Presse      Suche nach  
Auffällig bei SPES 2 - Was tun?
Auffällig bei SPES 2 (NICHT-Deutsch) - Was tun?
Auffällig bei SPES 3 - Was tun?

Nur Wortliste (0-25) auffällig
Wenn ein Kind nur im aktiven Wortschatz (Wortliste aus Elternfragebogen) auffällig ist, nicht aber beim Verstehen von Wörtern (Bildkarten) sind die Aufholchancen vergleichsweise gut. Sie hängen jedoch dennoch mit den folgenden weiteren Risikofaktoren zusammen:
- wenn sich Eltern Sorgen (auch nur leicht!) machen
- das Kind nicht die erste Position in der Geschwisterreihe einnimmt
- wenn die Ausbildung der Mutter eher gering ist (keine Matura)
erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, sprachlich nicht von selbst aufzuholen.

Eine Anleitung der Eltern zu sprachförderlichem Verhalten im Alltag sollte für ALLE Eltern von Kindern mit auffälligem Ergebnis in der Wortliste (aktiver Wortschatz) laut Elternfragebogen erfolgen. Ob lediglich eine Kurzberatung und Ausgabe des [pdf]Elternratgeber (449.5 KB) erfolgt oder aber zu einer individuellen Anleitung der Eltern durch eine Logopädin oder dem Besuch eines Elterntrainings (z.B. Heidelberger Elterntraining) geraten wird, hängt mit den genannten Faktoren der Elternsorgen, Elternbildung und Position in der Geschwisterreihe sowie der eigenen klinischen Einschätzung des Kinderarztes ab.

Alle „Late talker“ sollten zur HNO-fachärztlichen Kontrolle überwiesen werden, falls ein solche nicht kürzlich bereits erfolgt ist.

Wortliste (0-25) und Verstehen von Wörtern (0-4) auffällig
Wenn ein Kind über einen auffälligen aktiven Wortschatz (Wortliste im Elternfragebogen) verfügt und Auffälligkeiten beim Verstehen von Wörtern zeigt, ist die Wahrscheinlichkeit des Aufholens bis zum Alter von 3 Jahren ohne spezifische Unterstützung gering. Zudem ist abzuklären, obdas eingeschränkte Sprachverstehen spezifisch ist, oder auf einen allgemeinen Entwicklungsrückstand, Hörprobleme oder eine tiefgreifende Entwicklungsstörung zurückzuführen ist. Zudem stehen Auffälligkeiten im Verstehen von Wörtern mitunter in Zusammenhang mit Frühsymptomen eines Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivität-Syndroms (ADHS).

Bei diesen Kindern wird somit eine multidisziplinäre Abklärung empfohlen. Hiefür stehen üblicherweise Entwicklungsambulatorien oder Fachambulanzen zur Verfügung. Für Oberösterreich die Neurologisch-linguistische Ambulanz am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz.

Wortliste (0-9) auffällig und starke Sprechschwierigkeiten
Bei wenigen Late talker Kindern zeigen sich auch Auffälligkeiten des Sprechens wie z.B.
  • ein stark eingeschränktes Lautinventar (z.B. nicht mehr als ca. 6 Laute)
  • nur gleichbleibende Konsonanten im Wort (tite oder pipe für Bitte, tet für Bett, mam für Mann)
  • auffällige Wortkürzung (f für Fisch)
  • sehr wenig aktive Wörter (<10)
  • wenig/kein Silbenlallen (papapa, tatata) im ersten Lebensjahr anamnestisch erfragbar
  • keinerlei spontanes Nachsprechen
  • Diese Kinder fallen zumeist auch dadurch auf, dass sie insbesondere von nicht eingehörten Personen sehr schlecht verstanden werden.


Hier empfiehlt sich eine weitere Abklärung (linguistisch oder logopädisch) der Sprech- und Sprachfertigkeiten und eine pädaudiologische Abklärung.

Tipps für das Elterngespräch
auch als Downloadversion:[pdf]Tipps für das Elterngespräch (65.9 KB)
Die folgenden Tipps stellen Vorschläge für die Durchführung von Elterngesprächen dar, sie sich in der Praxis bewährt haben.

Einleitung
  • Wir haben bei der aktuellen Mutter-Kind-Pass Untersuchung dieses mal auch ganz speziell die Sprachentwicklung beobachtet.
  • Wie Sie wissen ist Sprache eine wichtige Voraussetzung für das spätere Lernen, auch für das Lesen und Schreiben und den Aufbau von Beziehungen mit Gleichaltrigen.


Wortliste auffällig
  • Sie beschreiben, dass Ihr Kind noch eher wenige Wörter aktiv verwendet.
  • Es gehört zur Gruppe der Spätsprecher (Late talker).
  • Insgesamt beginnen ca. 15% aller Kinder mit 2 Jahren mit ihrer Sprachentwicklung verspätet und eher zögerlich.
  • Rund die Hälfte dieser Spätsprecher-Kinder entwickelt sich später aber weitgehend unauffällig.
  • Die andere Hälfte braucht aber spezielle Unterstützung, um eine anhaltende Sprachstörung zu vermeiden.
  • Weil Ihr Kind wohl noch wenig spricht aber recht viele Wörter versteht, hat es recht gute Aufholchancen (weniger gut bei Elternsorgen, nicht erster Position unter Geschwistern, geringer Bildung der Mutter). Wichtig für das Aufholen ist jedoch:
    • Sprachförderung in der Familie ( siehe: [pdf]Elternratgeber (449.5 KB)) und evtl. eine Anleitung dazu durch eine Logopädin oder im Rahmen eines Elterntrainings (z.B. Heidelberger Elterntraining).
    • Zum Ausschluss eines Hörproblems empfiehlt man bei Sprachverzögerungen generell eine pädaudiologische Abklärung.




Wortliste und Verstehen von Wörtern auffällig
  • Sie beschreiben, dass Ihr Kind noch eher wenige Wörter aktiv verwendet.
  • Außerdem ist auch der Wortschatz, den es versteht, noch unterdurchschnittlich.
  • Wenn ein Kind unzureichend spricht und versteht ist es sinnvoll
    • das Hören abzuklären
    • und eine umfassende Entwicklungskontrolle zu machen. Sprachprobleme können nämlich isoliert auftreten oder mit anderen Entwicklungsproblemen gemeinsam vorkommen.


Abschluss
  • Bedenken Sie aber: Ein Screening ist keine Diagnose, sondern nur ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für ein späteres Sprachproblem!
  • Eine Wiedervorstellung im Alter von 3 Jahren zur Kontrolle des Sprachentwicklungsverlaufs wird unbedingt empfohlen (auch bei Kindern mit unauffälligem Sprachergebnis!)




Screeningmaterialien SPES 2 (Downloads)

Erstellt am 4.11.2011 | Zuletzt bearbeitet am 9.11.2011